Detox von Google – Emails in Thunderbird abrufen

Google ist nicht unbedingt bekannt dafür, dass sie die Daten, die sie besitzen gerne wieder freilassen. Dass der Kampf um meine Emails so zäh würde, damit habe ich nicht gerechnet. Ganz ehrlich, ich kam nicht klar. Meine Erfahrungen und Erlebnisse dieser Odyssee hab ich mir hier von der Seele geschrieben.

thunderbird emails

Bequemlichkeit als Verkaufsargument

Ganz Ehrlich, Google ist ja sehr cool. Alles an einem Ort, Email, Fotos, Google+, Youtube, und wie die gefühlten 50 weiteren Dienste heissen, die ich da nutze. Immer eingeloggt sein gehört zum Standard, genauso wie die roten Benachrichtigungen, die mich konsequent daran hindern etwas Produktives zu machen. Jeder Google Dienst öffnet auch einen neuen Tab, so dass mein Browser mit 5 Klicks völlig geflutet ist. Das erfordert schon reichlich Disziplin. Tabs schliessen ist ja auch immer verbunden mit dem Gefühl, etwas zu verpassen oder vergessen…

Runter auf die Harddisk mit den Mails mit Thunderbird

Die Offizielle Seite von Thunderbird.
Mein erster Schritt beim Google Entzug ist, die Mails auch lokal verfügbar zu haben. Erstens bin ich nicht immer am Internet, zweitens ist mein Internet manchmal so langsam, dass man jedem Bite die Hand schütteln kann, wenn es reinkommt und drittens – ich will meine Daten bei mir haben. Ohne Internet, ohne Kompromisse.

Das kann ja nicht so schwer sein

Munter drauflos, es kann ja nicht so schwer sein, die Nachrichten vom Gmail mit Thunderbird reinzuholen.

Wie naiv…

1. Versuch – ich öffne Thunderbird und fülle dort die Zugangsdaten zu meinem Mail Konto aus und werde umgehend benachrichtigt, mein Passwort sei falsch.

2. Versuch – ich prüfe mein Passwort und fülle noch einmal die Eingabemaske aus. Das Passwort sei falsch.

Eine Recherche mit duckduckgo (es gibt tatsächlich noch andere brauchbare Suchmaschinenen mehr dazu im Beitrag über Duck Duck Go) führt mich in die Tiefen der Google-Hölle der Google Foren / Supportabteilung. Dort lerne ich, dass ich IMAP oder POP aktivieren muss. Das leuchtet ein, ich folge den Anleitungen.

3. Versuch – ich fülle die besagte Eingabemaske im Thunderbird wieder aus und werde benachrichtigt, dass mein Passwort falsch sei.

Sie machen es mir nicht einfach

Erste Anzeichen von Ungeduld und eine erneute Suchanfrage mit duckduckgo. Ich bin- wen wundert’s- nicht die einzige mit diesem Problem. Es gibt verschiedene Lösungsansätze. Bei einigen Usern war die Firewall schuld, andere mussten ihr Modem neustarten, und dann steht da noch etwas von Anmeldung in zwei Schritten.

Ich rufe Thomas auf den Plan, der nochmals Schritt 1 bis 3 durchführt. Suchmaske ausfüllen, Passwort prüfen, IMAP / POP Einstellungen auf mail.google bearbeiten, recherchieren. Bei ihm hat es ja vor wenigen Tagen ganz reibungslos funktioniert.

Anmeldung in zwei Schritten

Auch Thomas stösst auf besagte Anmeldung in zwei Schritten. Grob umrissen schickt mir Google einen Code auf mein Handy. Die Nummer haben sie ja schon länger, denn ich hab mich irgendwann mal dazu erweichen lassen, meine Telefonnummer aus Sicherheitsgründen einzutragen. Natürlich lässt Google die Gelegenheit nicht aus, mich darauf aufmerksam zu machen, mein Konto wäre viel sicherer, würde ich noch MINDESTENS eine weitere Telefonnummer angeben. Ich solle mir mal vorstellen, ich sei auf Reisen und hätte das Gerät mit der angegebenen Nummer nicht dabei. Wow. Ich staune immer wieder über die suggestiven und dreisten Formulierungen.

Häppchen für Häppchen

Mit diesem Code, den ich per SMS erhielt funktionierte dann das Herunterladen. Naja. Schrittweise. Aus mir unerklärlichen Gründen wurden nicht alles auf einmal heruntergeladen, sondern häppchenweise. Nach ungefähr vier Mal anmelden war es dann soweit.

Die Flut von Mails

Siebenhundertdreiundachzig Nachrichten. Vier Jahre Korrespondenz und Benachrichtigungen verschiedener Dienste, die ich Anfangs noch nicht ausgeschaltet hatte. Dazwischen noch ein wenig private Korrespondenz zwischen meinem Liebsten und mir und ein Paar dutzend Emails zu verschiedenen Themen.

Licht ins Dunkel

Damit es auch Sinn macht, die Korrespondenz aufzubewahren musste mal ein wenig Ordnung in den Schlamassel gebracht werden.

Mit der Suchfunktion im Thunderbird filterte ich erstmal die Google und Facebook Benachrichtigungen raus. Ohne Witz, das waren über zweihundert Nachrichten à la X gefällt Y… Dazu kam noch eine geballte Ladung persönliche Nachrichten im Stil von: „Ich hab hier einen Link zu einem lustigen GIF/Video/Artikel, den ich nicht öffentlich mit Dir teilen möchte.“ Aufgrund der Orthografie einiger Nachrichten. liesse sich auch nach Jahren noch der Ungefähre Alkoholpegel einiger Absender zum damaligen Zeitpunkt erahnen. Vielleicht gibt es dazu auch Algorythmen, wer weiss…

Nun erstellte ich Ordner für die Kontakte, mit denen ich ernsthaftere Korrespondenz führe, die ich aufbewahren möchte. Filtern und verschieben. Zum Glück geht das bequem per drag and drop. Ich filtere was das Zeug hält und der Posteingang wird übersichtlicher

Drei Stunden nach den ersten unglücklichen Authentifizierungsversuchen ist mein Posteingang leer. Es gibt jetzt etwa zehn Ordner, in denen ich Korrespondenz nach Kontakt sortiert abgelegt habe.

Fazit:

Es ist wirklich schlimm, wie unordentlich mein Google Mail Konto war. Da waren Nachrichten gespeichert, von denen ich keinen Schimmer hatte, dass sie überhaupt auf dem Server liegen. Jahrelang. Teils völlig sinnlos, zum Teil sehr privat und zum Teil nützlich, aber verschollen und vergessen.

Ich bin mir sicher, dass das mit Absicht so programmiert ist. Und ich mag mir nicht ausmalen, wie das ganze ausgesehen hätte, wenn ich mich nicht im Laufe der Zeit von verschiedenen Diensten aus den Spamlisten Mail-Abonnements ausgetragen hätte.

Da waren noch Überreste aus der Onlinepetition-Phase Anfang 2010, PN-Duplikate meiner Facebook- Anmeldezeit, die ersten Schritte in Google+, Flickr, diverse Forum- Aktivierungslinks und…

Nun ist sortiert. Darauf ruhe ich mich mal aus und sehe, wie das so kommt mit dem lokalen Email Client. Weitere Schritte werden sein, mich noch mehr von gmail zu entfernten und vermehrt eigene Email Adressen zu benutzen. (Die ich ja schon längst besitze, die ich aber aus bequemlichkeit nicht benutzt habe…)

Ganz verzichten möchte ich im Moment auf Google+ nicht, ich habe dort sehr viele Interessante Kontakte, mit denen ich mich regelmässig austausche. Mal sehen, was daraus wird. Auf jeden Fall logge ich mich nun jedes Mal wieder aus, wenn ich einen google Dienst benutzte und schliesse auch den Tab gleich wieder. Das Arbeiten am PC wird so übrigens einiges produktiver.

Ganz grossen Dank an Thomas, ohne ihn hätte ich das wohl noch nicht geschafft, dafür das Modem einige Male neu gestartet, die Eingabemaske noch unzählige Male ausgefüllt und mich noch viel mehr geärgert.

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Über Sibylle

Es ist schön mit beiden Füssen auf dem Boden zu stehen und sich frischen Wind um die Nase wehen zu lassen. Es macht mich glücklich mit Kopf, Hand und Herz etwas zu schaffen, das Freude macht. Ich gärtnere, koche, backe, verspinne Wolle, binde Bücher, versuche da zu sein, wenn es mich braucht. Ich bin glücklich über mein Leben, das ich mit meinem Mann Thomas leben darf!
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2 Antworten zu Detox von Google – Emails in Thunderbird abrufen

  1. Thomas schreibt:

    Und: Du hättest aufgegeben. Genau das wollen sie ja auch. Otto-Normalverbraucher ist einfach hilflos ausgeliefert und wenn einmal in den Fängen dieser Giganten, hast Du als einfacher Anwender schlechte Karten, Dich da wieder zu lösen. Ungeschehen machen kann man nichts, aber zumindest Abstand gewinnen und mit Köfpchen einsetzen.

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    • Sibylle schreibt:

      Ja, ich hätte aufgegeben. Ich finde es auch ziemlich anstrengend, die ganze Umsteigerei auf Ubuntu, der Versuch, die vertrauten und auch süchtig machenden Netzwerke viel bewusster zu nutzen.

      Es ist sehr viel Neues, das ich da grad am verarbeiten bin. Ich hoffe, mit diesem Blog auch Anderen Mut zu machen, den Schritt zu wagen.

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